Kindeswohl und häusliche Gewalt während des Lockdowns – DJI und TU veröffentlichen Studienergebnisse

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat eine Studie zur Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten der Corona-Krise durchgeführt und aktuell vorgestellt. Im Vordergrund der Untersuchung stand die Frage, ob die Corona-Krise zu einer Zunahme von Kindeswohlgefährdungen geführt und wie sich die Situation auf das Kinderschutzhandeln der Jugendämter ausgewirkt hat.

Deutschlandweit wurden daher im Zeitraum vom 23.04.2020 – 12.05.2020 insgesamt 575 Jugendämter online zu deren Umgang mit den momentan gesellschaftlichen Einschränkungen im Kinderschutz und zur Kommunikation mit der Klientel befragt. Außerdem wurden die Auswirkung auf Umgangsregelung bei getrennt lebenden Eltern oder einer Fremdunterbringung des Kindes / der Kinder mit betrachtet.

Den veröffentlichten Ergebnissen zufolge konnte eine Zunahme an Mitteilungen einer Kindeswohlgefährdung nach §8a SGB VIII nicht nachgewiesen werden. Nur 5 % der Jugendämter gaben bei der Befragung eine Zunahme an, 55% eine gleichbleibende Tendenz, 16% gaben an, dass die Auswirkungen noch nicht abgeschätzt werden konnten und 25% verzeichneten sogar eine Abnahme der Meldungen.

Laut der Studie des DJI könnte dies jedoch damit zusammen hängen, dass gerade die Mitteilungen durch Fachkräfte aufgrund der geschlossenen Schulen und Kindertagesstätten in diesem Zeitraum ausgeblieben sind. Das soziale Frühwarnsystem sei derzeit eingeschränkt, so dass Gefährdungsmeldungen erst spät erfolgen oder Gefährdungen gar nicht erst bemerkt werden. Ein Zuwachs der Meldungen wird jedoch mit der Öffnung der Schulen und Tagesstätten erwartet.

Das ist auch insofern bedenklich, als dass eine weitere Studie der TU München ein deutlich erhöhtes Konflikt- und Gewaltpotential insbesondere in psychisch belasteten Familien in der Corona-Krise nachgewiesen hat. Auch die Konflikte infolge der Umsetzung von Umgangsregelungen bei getrennt lebenden Eltern oder fremduntergebrachten Kindern nahmen zu 48% zu, so das Deutsche Jugendinstitut.

Alle Ergebnisse und den gesamten Bericht des Deutschen Jugendinstitutes mit dem Titel „Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten der Corona-Pandemie DJI-Jugendhilfeb@rometer bei Jugendämtern“ können Sie hier nachlesen:

https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2020/1234_DJI-Jugendhilfebarometer_Corona.pdf

Die zusammengefassten Ergebnisse der TU-Studie finden Sie hier:

https://www.hfp.tum.de/globalhealth/forschung/covid-19-and-domestic-violence/

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